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Archiv "Soziologisches Forschungskolloquium" (2008 - 2014)

Das Soziologisches Forschungskolloquium wurde in Kooperation der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät sowie der Fakultät Erziehungswissenschaft und Soziologie durchgeführt (Veranstalter: Burzan - Hirsch-Kreinsen - Hitzler - Howaldt - Meuser - Weyer - Wilkesmann). Es ist als Vorläufer des aktuellen Kolloquiums Aktuelle Debatten der Soziologie zu verstehen.

Hier findet sich eine Übersicht der im Rahmen des Kolloquiums von den jeweiligen Referent/inn/en gehaltenen Vorträge (i.d.R. mit einer kurzen Zusammenfassung):

 


2008   2009   2010   2011   2012   2013   2014


2014

Termin Referent/in Thema
2014-01-14 Dr. Igor Nikolic
(TU Delft)

ABMS (Agent-based modeling of socio-technical systems) of socio-technical systems

Decision makers in large scale interconnected network systems require simulation models for decision support. The behaviour of these systems is determined by many actors, situated in a dynamic, multi-actor, multi-objective and multi-level environment. How can such systems be modelled and how can the socio-technical complexity be captured? Agent-based modelling is a proven approach to handle this challenge.

This presentation provides a practical introduction to agent-based modelling of socio-technical systems, based on a methodology that has been developed at Delft University of Technology and which has been deployed in a large number of case studies. It consists of two parts: the first presents the background, theory and methodology as well as practical guidelines and procedures for building models. In the second part this theory is applied to a number of case studies, where for each model the development steps are presented extensively, preparing the reader for creating own models

 

2013

Termin Referent/in Thema
2013-12-03 Nicole Burzan / Silke Kohrs / Ivonne Küsters
(TU Dortmund)

Unsichere Mittelschicht? Ergebnisse einer Mixed-Methods-Untersuchung

Wie steht es gegenwärtig um die Mitte der Gesellschaft? Vor dem Hintergrund, dass die Mittelschicht in den letzten Jahrzehnten lange als wichtiger gesellschaftlicher Integrationsfaktor in ökonomischer, sozio-kultureller und politischer Hinsicht galt, fordern die in jüngerer Zeit - teils gegenläufigen - Aussagen, von dramatischer Schrumpfung und Krise bis beruhigender Entwarnung dazu auf, die Veränderungen sowohl der objektiven Lage als auch der subjektiven Empfindungen näher zu untersuchen. Erlebt die Mittelschicht derzeit eine Verunsicherung und wie geht sie damit um? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das noch laufende DFG-Forschungsprojekt, über dessen Ergebnisse hier berichtet wird. Neben einer Auseinandersetzung mit den Konzepten "Mittelschicht" und "(Un-)Sicherheit" wird darin die Interdependenz von Lebenslage, Haltungen und Handlungsstrategien fokussiert.

Mit Hilfe von Längsschnittanalysen auf Basis der Daten des sozio-ökonomischen Panels (SOEP) wird gezeigt, dass die Unsicherheit hinsichtlich des Verlaufs nur bedingt auf ein (mittel-)schichtspezifisches Phänomen zurückzuführen ist und dass der Trend wieder auf ein geringeres Sorgenempfinden hindeutet - dies allerdings nur in Westdeutschland. Auf der Basis von berufsbiografischen Leitfadeninterviews mit Journalist/innen und akademisch qualifizierten Angestellten in Wirtschaftsunternehmen aus zwei Kohorten wird eine Typologie erarbeitet, die vollzogene Handlungs- und Entscheidungsprozesse sowie Lebensplanungen, insbesondere Handlungen, die durch Erfahrungen oder Erwartungen von Unsicherheit motiviert werden, zur Grundlage hat.

2013-10-29 Dr. Dirk vom Lehn
(King's College London)

Von Bild zu Bild: die interaktive Organisation des Museums

Der Besuch von Kunstmuseen wird häufig als eine eher stille Veranstaltung beschrieben, während derer sich die Besucher gemächlich von einem Bild zum anderen bewegen. Die Organisation dieser Fortbewegung durch die Ausstellung wird häufig einer normativen Ordnung, d.h. Regeln und sozialen Konventionen, zugeschrieben oder auch der Macht der Architektur und Gestaltung des Museums. Dieser kurze Vortrag nimmt die Perspektive der Besucher ein, die diese Fortbewegung von Bild zu Bild vonstatten bringen. Auf Basis einer detaillierten Analyse von Videoaufnahmen in Kunstausstellungen inspiziere ich, wie die Besucher die Betrachtung eines Gemäldes zu Ende bringen und dann gemeinsam zu einem nächsten Gemälde weitergehen, häufig ohne dabei zu sprechen. Diese gemeinsame Fortbewegung durch das Museum wird von den Besuchern durch wechselseitige Wahrnehmung von (minutiösen) Körperhandlungen vollzogen, die es ihnen erlauben, ihre Handlungen miteinander in Einklang zu bringen, und ein nächstes Ausstellungsstück in Augenschein zu nehmen. Die Analyse arbeitet die interaktive Organisation des Museums sowie die Methoden heraus, die die Besucher verwenden, um sich durch die Ausstellung zu bewegen und sich dabei gleichzeitig Gelegenheiten zur Kunstbetrachtung zu verschaffen. Dadurch wird deutlich, dass Handlungen und (visuelle und architektonische) Umgebung nicht unabhängig voneinander existieren, sondern dass die Besucher ihre Handlungen und Aspekte der Umgebung systematisch miteinander verschränken, um den organisierten Museumsbesuch zu vollziehen.

2013-07-16 Carsten Orwat
(ITAS, Karlsruhe)

Governance von kritischen Infrastrukturen

 

2013-07-02 Prof. Dr. Petra Ahrweiler
Europäischen Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen / Bad Neuenahr-Ahrweiler)

Ex-Ante-Evaluation von Horizon 2020 mit agentenbasierter Simulation

After a short introduction to the area of policy modelling, this talk presents the agent-based model INFSO-SKIN, which was designed to provide ex-ante evaluation of EU-funded ICT networks in Horizon 2020 for the DG Information Society and Media (DG INFSO) of the European Commission. Informed by large CORDIS-based datasets, the simulation model is set up to reproduce and assess the funding strategies, the funded organisations and projects, and the resulting network struc-tures of FP7. To address the evaluative questions of DG INFSO as stakeholder of the study, the FP7 model extrapolated into the future without any policy changes is taken as an evidence-based benchmark for further experiments. Against this baseline scenario the following example policy changes are tested to show the applicability of the model: (i) What if there would be changes to the instruments of funding? (ii) What if there would be changes to the overall amount of programme funding? The results of these simulation experiments reveal some likely scenarios as policy options for Horizon 2020.

2013-06-11 Prof. Dr. Elisabeth Wacker
(Max-Planck-Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik / TU München)

Überall und nirgendwo – Disability Mainstreaming im kommunalen Lebensraum – ein Transformationskonzept?

Behinderung ist ein sozialer Tatbestand. Es geht um auf Beeinträchtigung basierende Benachteiligung. Damit sind Fragen der gelingenden Unterstützung und Inklusion behinderter Menschen generell auch eine Frage nach gerechten Teilhabeoptionen in gesellschaftlichen Systemen, die gemäß der Normalität menschlicher Vielfalt zugesagt sind (Art. 3 Abs. 3 Satz 2 GG).

Damit entsprechende Chancen offenstehen und durchgesetzt werden können sind gesellschaftliche Veränderungen erforderlich, die nicht alleine durch Gesetzgebung vollzogen werden können. Vielmehr geht es um einen Prozess der Transformation ("mainstreaming disability") zu Gesellschaftsstrukturen, die (auch) im kommunalen Lebensraum greifen. Grundsätze, Baupläne und Umsetzungsoptionen werden dargestellt als Elemente gesellschaftlichen Wandels und mit der Frage nach seinen relevanten Einflussfaktoren und möglichen Operationalisierungen in Forschung und politischem Handeln.

Die Referentin bringt Aspekte ihres laufenden Forschungsprogramms am Max-Planck Institut für Sozialrecht und Sozialpolitik München zum "Wandel der Sozialsysteme und Teilhabe bei Behinderung" ebenso ein, wie ihren Erfahrungshintergrund als Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für die neue Berichterstattung zur Lage von behinderten Menschen in Deutschland (Bundesteilhabebericht).

2013-05-14 Prof. Dr. Michael Meuser, Dr. Diana Lengersdorf
(TU Dortmund)

„Dekorationselternteil“ und „echte Kerle“ – Unterschiedliche Rahmungen väterlichen Engagements bei Paaren aus den westlichen und den östlichen Bundesländern

Hinsichtlich der Figur des Familienernährers stehen die Menschen im Osten und Westen Deutschlands seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in unterschiedlichen Traditionen. Infolgedessen wird ein Engagement des Vaters in der Haus- und Familienarbeit durch west- und ostdeutsche Paare unterschiedlich gerahmt. Wie sich anhand des Materials aus biographisch-narrativen Paarinterviews zeigen lässt, betrachten westdeutsche Paare das väterliche Engagement vor dem Hintergrund partnerschaftlicher Egalitätsansprüche, während sich bei den ostdeutschen Paaren eine stärker pragmatische Orientierung und eine hohe Selbstverständlichkeit väterlichen Engagements zeigt. Die ihrer Ansicht nach für den Westen typische demonstrative Inszenierung einer neuen Väterlichkeit erfährt Ablehnung. Im Vergleich der unterschiedlichen Rahmungen erscheint der mit dem Etikett "aktive Vaterschaft" verbundene - und auch von der Familienpolitik forcierte - Anspruch einer Modernisierung von Geschlechterverhältnissen als Ausdruck einer hegemonialen westlichen Perspektive.

2013-01-15 Göde Both
(Universität Paderborn)

Learning to Drive. Eine situationsanalytische Fallstudie zur Technikgenese automatisierten Fahrens

Im klassischen „driver-car“-Hybrid (Dant 2004) werden die FahrerInnen als aktive und autonome Subjekte konfiguriert. Auch heutige Fahrassistenzsysteme sind immer auf die Kontrolle, Führung und kontinuierliche Aufmerksamkeit von menschlichen FahrerInnen angewiesen. Die Vision automatisiertes Fahren kündigt hingegen das „Ende des  Wagenlenkers“ (Kornwachs 2009) an. Spätestens seit den sechziger Jahren wird in der Robotik und Fahrzeugtechnik daran gearbeitet, Kompetenzen und Tätigkeiten, welche bisher für Menschen vorbehalten waren, an autonome Roboter bzw. selbststeuernde Autos zu delegieren. Autofahren ist eine soziale und kulturelle Praxis, verknüpft mit spezifischen Konzepten von Autonomie, Unabhängigkeit, Freiheit und Männlichkeit (Redshaw 2008). Mit der Umverteilung von Handlungsfähigkeit im driver-car-Hybrid deutet automatisiertes Fahren eine Mensch-Maschine-Rekonfiguration im Sinne Suchmans (2007) an.

Im Rahmen seines Dissertationsprojekts untersucht Göde Both in einer ethnographischen Fallstudie, unter welchen Bedingungen heute die Technikgenese selbststeuernder Autos stattfindet. Das interdisziplinäre Projekt ist in den Feldern der soziologischen, anthropologischen und feministischen Wissen-schafts- und Technikforschung situiert. In seinem Vortrag führt er in das Forschungsfeld ein und stellt das Forschungsdesign der Studie zur Diskussion, welches sich an der Situationsanalyse nach Clarke (2005) orien-tiert. Anschließend vertieft er einen Aspekt der Technikgenese automatisierten Fahrens anhand  des Datenmaterials aus der laufenden Feldforschung.

 

2012

Termin Referent/in Thema
2012-07-10 Heidemarie Hanekop
(Soziologisches Forschungsinstitut / Universität Göttingen)

Kollaborative Innovations- und Produktionsformen im Web 2.0

Das Web 2.0 eröffnet grundlegend neue Möglichkeiten für die Beteiligung von Akteuren an Produktions- und Innovationsprozessen, die nicht in Unternehmens- oder Organisationskontexte eingebunden sind. Überraschenderweise findet solche Beteiligung externer Akteure im Internet tatsächlich in großer Zahl und in vielfältigen Konstellationen statt. Mit der Erklärung dieses Phänomens beschäftigen sich unterschiedliche Ansätze in der Ökonomie (Open Innovation, User Innovation, Customer Co-Creation) und in der Soziologie (Social Production, Produsing, der arbeitende Kunde), die in dem Vortrag kurz vorgestellt werden sollen. In diesen Ansätzen bleibt - so unsere These - die Dimension der Governance solcher Kollaboration vieler unabhängiger, externer Akteure unterbelichtet. Unter Rückgriff auf Elinor Ostroms Konzept der kollektiven Selbstorganisation bei der Governance von Allmendegütern fokussiert der im folgenden vorgestellte Ansatz kollaborativer Innovations- und Produktionsformen im Internet auf webbasierte Formen der kollektiven Selbstorganisation in Nutzergemeinschaften und deren Verknüpfung mit unternehmensorganisierten Produktions- und Innovationsprozessen. Am Beispiel nutzergenerierter Beratungsplattformen von Unternehmen im Web wird diskutiert, wie hier Formen kollektiver Selbstorganisation und Wertschöpfungsprozesse von Unternehmen kombiniert werden.

2012-06-27
(Mittwoch)
Prof. Dr. Ulrich Dolata
(Universität Stuttgart)

Wandel durch Technik

Neue Kommunikationstechnologien, das Internet und die Gentechnik sind drei Beispiele, die zeigen, dass Technik nicht nur ein konstitutiver Bestandteil moderner Gesellschaften ist, sondern auch zu einem wesentlichen Einflussfaktor ihres Wandels werden kann. Wie lassen sich solche technikinduzierten Wandlungsprozesse soziologisch analysieren und erklären?

Ulrich Dolata hat in den vergangenen Jahren einen techniktheoretischen  Rahmen entwickelt, der auf drei aufeinander bezogenen Konzepten beruht.  Mit dem ersten Konzept - technologische Eingriffstiefe - werden Antworten auf die Frage gegeben, welche Rolle und Bedeutung neuen Technologien selbst als eigenständigen Einflussfaktoren sozioökonomischen Wandels zukommen kann. Die Kernüberlegung ist, dass grundlegend neue Technologien dort, wo sie entwickelt oder genutzt werden, mit mehr oder minder weitreichenden organisationalen, strukturellen und institutionellen Veränderungen einhergehen (müssen), wenn ihr innovatives Potenzial realisiert werden soll.

Wie dies geschehen und wie der durch neue Technologien angestoßene Restrukturierungsdruck wahrgenommen und verarbeitet werden kann: Das steht im Zentrum des zweiten Konzepts - der sozialen Adaptionsfähigkeit. Dort wird die Frage diskutiert, wie mögliche oder notwendig erscheinende organisationale, strukturelle und institutionelle Effekte durch die beteiligten Akteure und Institutionen antizipiert, aufgegriffen und in konkrete soziotechnische Veränderungen umgesetzt werden (können). Die Adaptionsfähigkeit eines Feldes, Sektors oder Regimes entscheidet maßgeblich darüber, wie Wandel durch Technik konkret von statten geht.

Größere soziotechnische Umbrüche erfolgen nicht in kurzer Frist oder in einem einmaligen Akt, sondern sind das Ergebnis längerer Phasen des Suchens, der Auseinandersetzung und der Diskontinuität, die durch eine Vielzahl aufeinander bezogener Veränderungen geprägt sind. Im dritten Konzept - graduelle Transformation - werden der Gesamtprozess solcher Umbruchperioden und ihre möglichen Verlaufsformen in den Blick genommen und als sukzessive soziotechnische Neuausrichtung analysiert, die sich erst über die Zeit zu substanziellen Veränderungen verdichtet.

Als Summe dieser Forschungsarbeiten ist 2011 die Monographie Wandel durch Technik. Eine Theorie soziotechnischer Transformation in der Reihe des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung im Campus-Verlag erschienen.

2012-05-08 JProf. Dr. Anja Weiß
(Universität Duisburg-Essen)

Kulturelles Kapital in der Migration
Die Statuspassage hochqualifizierter Zuwanderer in den Arbeitsmarkt

Die Arbeitsmarktintegration hoch qualifizierter MigrantInnen folgt einem Paradox: Auf der einen Seite werden MigrantInnen mit akademischer Bildung weltweit umworben. Andererseits zeigt sich für Deutschland und sogar für Länder, die wie Kanada als Erfolgsmodelle gelten, dass ein erheblicher Teil der hoch qualifizierten Einwanderer ihr kulturelles Kapital nicht am Arbeitsmarkt des Einwanderungslandes umsetzen kann.

Die internationale VW Studiengruppe „Kulturelles Kapital in der Migration“ unter der Leitung von Nohl, Schittenhelm, Schmidtke und Weiß hat anhand von Institutionenanalysen und von über 200 narrativen Interviews mit hochqualifizierten MigrantInnen untersucht, wie diese ihr kulturelles Kapital in den Arbeitsmarkt in Deutschland, Kanada, der Türkei und Großbritannien einbringen. Durch Vergleiche zwischen (a) Migranten, die ihren letzten Abschluss im In- bzw. Ausland erworben haben, und (b) zwischen denjenigen mit gleichberechtigtem bzw. rechtlich eingeschränktem Arbeitsmarktzugang können Barrieren der Arbeitsmarktintegration im Zeitverlauf identifiziert werden.

Die Besonderheit der Ergebnisse besteht darin, dass die vorliegende Typologie der Verwertung und Weiterentwicklung des kulturellen Kapitals das pfadabhängige Zusammenwirken dieser Dimension der Statuspassage in den Arbeitsmarkt mit anderen strukturierenden Dimensionen wie z.B. biographischen Orientierungen, familienbezogener Lebensführung sowie rechtlicher und symbolischer In- und Exklusion aufzeigt. Damit können kontraintuitive Befunde aus repräsentativen Datensätzen, wie sie z.B. zur überdurchschnittlich hohen Arbeitslosigkeit von Spätaussiedlern vorliegen, erklärt werden.

2012-04-03 Prof. Dr. Franz Liebl
(Universität der Künste Berlin)

Innovative Strategien - zwischen Kunst, Konsum und - notfalls - auch Wissenschaft

2012-01-31 Prof. Dr. Jürgen Raab
(Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg)

Visuelle Wissenssoziologie der Fotografie.
Theoretische Zugänge und eine Fallanalyse

Der Vortrag erörtert theoretische Ansätze und methodische Zugänge für eine Soziologie der Fotografie in wissenssoziologischer Perspektive. In bewusster Pointierung und Kontrastierung werden ausgehend von den theoretischen Reflexionen Roland Barthes' und Pierre Bourdieus einerseits, und den methodologisch-methodischen Vorschlägen von Karl Mannheim, Erwin Panofsky und Max Imdahl andererseits, mögliche Fragestellungen und empirische Verfahrensweisen zur Analyse visuellen Handelns aufgezeigt und diskutiert. Exemplifiziert werden die Ansätze und Zu-gänge zu einer visuellen Wissenssoziologie der Fotografie anhand eines Fallbei-spiels aus der aktuellen medialen Alltagskommunikation.

2012-01-17 Prof. Dr. Birgit Blättel-Mink
(Goethe-Universität Frankfurt a.M.)

Innovationssysteme und der Paradigmenwandel in der sozial-wissenschaftlichen Innovationsforschung

"... social innovations will make the difference: There is a lot of evidence that social innovation will become of growing importance not only with regard to social integration and equal opportunities but also with regard to preserving and expanding the innovative capacity of companies and society as a whole." (Vienna Declaration 2011)

Mit dem Thema soziale Innovation reklamieren SozialwissenschaftlerInnen aktuell ein Forschungsfeld mit dem sie sich über lange Zeit hinweg, bis auf wenige Ausnahmen, kaum auseinandergesetzt haben. In den Sozialwissenschaften ging es vielmehr um Wissenschafts- und Technikentwicklung, um die soziale Einbettung von Märkten, um heterogene Akteursnetzwerke, um Wissen und Nicht-Wissen, oder um den Wandel von Organisationen. Wird mit der, durchaus kontrovers geführten, Debatte um soziale Innovation auf eine Forschungslücke in der Innovationsforschung ganz allgemein reagiert, d.h. ist die Debatte anschlussfähig an die wirtschaftswissenschaftlich geprägte Innovationsforschung, oder geht es gar um einen Gegenentwurf? In der Innovationsforschung wird, spätestens seit den Arbeiten von Michael E. Porter, davon ausgegangen, dass Innovationen institutionell und kulturell eingebettet sind, d.h. Gesellschaften, Bundesländer, Branchen, Städte unterschiedliche Innovationssysteme oder -regime ausbilden, die mehr oder weniger erfolgreich, d.h. wettbewerbsfähig sind. Untersucht werden sodann u.a. die Akteursnetzwerke im Phasenverlauf, die Dynamiken, die hervorgebracht bzw. extern initiiert werden. Wo ist nun die soziale Innovationsforschung einzuordnen, gibt es Parallelen oder Unvereinbarkeiten zu der Innovationsforschung, die Unternehmen im Zentrum der Aktivitäten sieht? Diese u.a. Fragen sollen im Rahmen dieses Vortrags diskutiert werden.

 

2011

Termin Referent/in Thema
2011-12-13 Ivonne Küsters
(Technische Universität Dortmund)
Exzellenz - wissenschaftliche Innovation - Legitimation von Anrechten.
Zur Produktion von Wissenschaftskarrieren durch ERC-Starting-Grants

Die Starting Grants des European Research Councils (ERC) sind ein Forschungsförderinstrument der EU, das seit 2007 an junge Wissenschaftler/innen vergeben wird. Diese hoch dotierte und langfristige Projektförderung soll den europäischen Wissenschaftsraum stärken, den Brain-Drain aus Europa stoppen und junge Wissenschaftler/innen aus aller Welt nach Europa locken. Dabei soll nur innovative Forschung ("pioneering frontier research") gefördert werden, und für die Auswahl der Geförderten soll als alleiniges Kriterium das der Exzellenz (der Forscher/innen, des Projektantrags, der gewählten Host Institution) angelegt werden.

Das EU-Projekt MERCI evaluiert mit einer Kombination aus quantitativem, qualitativem und bibliometrischem Vorgehen die Funktionsweise und die Effekte der Starting Grants. Die qualitative Teilstudie von MERCI basiert auf 50 Interviews mit geförderten und abgelehnten Bewerber/innen aus 8 europäischen Ländern. Der Vortrag präsentiert Ergebnisse dazu, welche Vorstellungen von Exzellenz und Innovativität bei der Bewerbung, Vergabe und Arbeit mit den Grants wirksam werden und in welchem Zusammenhang diese mit den Karrieren der Befragten und mit ihren Erwartungen an ihre Karriereverläufe stehen.

2011-11-15 Dr. Peter Stegmaier
(University of Twente)

Dr .Marc Mölders, Prof. Dr. Johannes Weyer
(Technische Universität Dortmund)

Governance of Discontinuation.
Zur Steuerbarkeit des Rückbaus sozio-technischer Systeme

Dass sich die Innovationsforschung mit der Hervorbringung und Durchsetzung von Neuem beschäftigt, kann als Gemeinplatz gelten. Was aber, um mit Schumpeters berühmter Definition zu sprechen, passiert eigentlich mit dem durch eine Innovation "radikal Entwerteten"? Bisherige Studien richteten ihr Augenmerk zumeist auf Innovationen und Fortschritte sozio-technischer Systeme. Deren Rückbau kommt allenfalls als Rückschritt oder Scheitern vor, ganz so, als würden sozio-technische Systeme nur eine Richtung kennen. Das Projekt "Governance of the Discontinuation of Socio-Technical Systems" (DiscGo) geht davon aus, dass diese umgekehrte Richtung nicht weniger relevant für Fragen der Steuerung bzw. Governance moderner Gesellschaften ist. Anhand von vier Fallbeispielen (Atomenergie, Verbrennungsmotor, Glühbirne & DDT) werden bereits empirisch vorfindbare Formen und Wege der Beendigung rekonstruiert - nicht zuletzt, um auf weitere denkbare "Rückbau-Praktiken" hinweisen zu können.

2011-07-12 Prof. Mag. Dr. Josef Hochgerner
(Zentrum für Soziale Innovation / Wien)
Konzepte sozialer Innovation und ihre Bedeutung in der europäischen Forschung

Das Thema soziale Innovation ist ein gutes Beispiel dafür, wie gesellschaftliche Entwicklungen für die Soziologie erkenntnisleitend werden und neue Forschungsperspektiven eröffnen können.

Selbstverständlich gab es soziale Innovation nicht nur bevor der Begriff davon - so wie jetzt gerade in den letzten Jahren - Konjunktur erlebt, sondern auch lange bevor der nunmehr "klassische" Begriff der Innovation für Wirtschaft, Management und Technologieentwicklung Dominanz gewonnen hat. Soziale Innovationen waren zu ihrer Zeit etwa die Einführung der Schulpflicht oder von Verkehrsregeln, beide in Form von allgemeinen Normeninstitutionalisiert. Gegenwärtig formieren social networks - möglicherweise dauerhaft - neue Beziehungsstrukturen, was einem anderen Typus von sozialer Innovation entspricht.

Von solchen Überlegungen ausgehend, werde ich mich in meinem Vortrag erstens mit Definition und Typologie von sozialen Innovationen beschäftigen. Die zentrale Zielsetzung ist, damit einen Beitrag für die theoretische Klärung von Begriffen und Konzepten sozialer Innovation zur Diskussion zu stellen.

Zweitens will ich mit einer Reflexion über Akteure, Ankündigungen und Strategiepapiere zeigen, dass der aktuelle hype um soziale Innovation Chancen und Gefahren für die Sozialwissenschaften, i.e.S. für die soziologische Forschung, mit sich bringt: Einerseits ist das Interesse an sozialen Innovationen, sie zu verstehen und zu fördern sehr groß, daher eröffnen sich neue Forschungsfelder. Andererseits besteht die Gefahr, dass die hohen Erwartungen enttäuscht werden, wenn die (unsere!) scientific community keine ausreichenden Antworten auf Fragen nach Zweck und Wirkung sozialer Innovationen geben kann. In diesem Fall würde das Interesse am Thema selbst wie auch an der Forschung dazu sehr schnell wieder schwinden.

Drittens geht es um die Frage, wie Theorie und Praxis der Erforschung und Implementierung sozialer Innovationen in der Organisation und den Arbeitsweisen eines sozialwissenschaftlichen Instituts unter ein Dach gebracht werden können. Das werde ich exemplarisch anhand des "Forschungs- Anwendungs-Slaloms" des ZSI erläutern.

2011-06-28 Prof. Dr. Cornelia Koppetsch
(Technische Universität Darmstadt)
Symbolanalytiker - ein neuer Expertentypus?
Einige Thesen zum Wandel akademischer Berufsfelder

Die zunehmende Verflechtung von Wissen mit Ökonomie und Markt wirft die Frage nach dem Wandel von Experten und Expertenwissen auf. Der Beitrag skizziert den neuen Expertentypus der "Symbolanalytiker" (Robert Reich) in Abgrenzung zu klassischen Expertengruppen (Professionen, naturwissenschaftlich-technische Experten, humanistische Gelehrte) und stellt anhand von Fallbeispielen  (Kreative, Unternehmensberater, Coaches) die Rolle der Symbolanalytiker in unterschiedlichen Berufsfeldern dar. Der Beitrag zeigt, welche Konflikte um Einfluss und Deutungshoheiten zwischen den neuen (Symbolanalytiker) und klassischen Expertengruppen (z.B. Professionen) in den verschiedenen sozialen Feldern ausgetragen werden.

2011-05-24
16:00-18:00
Rudolf−Chaudoire−Pavillon
Antrittsvorlesungen der neuen JuniorprofessorInnen der Fakultät 11:
JProf. Dr. Maximiliane Wilkesmann
(Junioprofessur Soziologie)
Ignoramus et ignorabimus - Wissen und Nichtwissen im Krankenhaus
JProf. Dr. Maik Lachmann
(Juniorprofessur Controlling)
Pay for poor performance - Determinanten der Vorstandsvergütung in der Finanz- und Wirtschaftskrise
JProf. Dr. Gregor N. F. Weiß
(Juniorprofessur Finance)
Die Gauß-Copula – Finanzmathematischer Geniestreich oder Krisenverstärker?

 

JProf. Dr. Markus Blut
(Juniorprofessur Marketing)
Zur Entwicklung der Franchisenehmer-Franchisegeber-Beziehung - Ergebnisse einer Mehrebenenanalyse
2011-04-13 Prof. Dr. Thomas Kron
(RWTH Aachen)
Zur Konvergenz der zeitgenössischen deutschen soziologischen Theorie

Die These dieses Vortrags ist, dass die zeitgenössische deutsche soziologische Theorie konvergiert. Zur Begründung dieser These wird in einem ersten Schritt untersucht, was "Konvergenz" als methodologisches Mittel der Theorieentwicklung bedeutet, exemplifiziert an Talcott Parsons Konvergenzthese in "The Structure of Social Action" und dem dort vorgenommen Ausschluss von Georg Simmels Analysen. Als Ergebnis wird ein Dreischritt der Theoriekonstruktion durch Konvergenz vorgestellt, der dann auf ausgewählte zeitgenössische deutsche soziologische Theorien (von Beck, Esser, Joas, Münch und Schimank) angewandt wird. In dieser Perspektive zeigt sich, dass sich die deutsche soziologische Theorie in Richtung einer "Soziologischen Komplexitätstheorie" entwickelt.

 

2010

Termin Referent/in Thema
2010-12-14 Prof. Dr. Gerhard Naegele
(Technische Universität Dortmund)
Lebenslaufpolitik

Die demographische Entwicklung in Deutschland hat uns bewusst gemacht, dass sich Gesellschaft, Politik und Wirtschaft auf die Einbindung von älteren Menschen in die Arbeitswelt einstellen müssen. Damit gewinnt aus durchaus praktischen Gründen die wissenschaftliche Erforschung des sozialen Lebenslaufs und seine politische Gestaltung insgesamt eine zentrale Bedeutung: Die schnelle und fundamentale Änderung von modernen Lebensverläufen erfordert eine bewusste Politik in zahlreichen Bereichen.

2010-11-16 Prof. Dr. Ludger Pries
(Ruhr-Universität Bochum)
Weltsystemforschung, Transnationale Studien oder Internationaler Vergleich? Raumkonfigurationen des Sozialen als Herausforderung für die Sozialwissenschaften

Sozialwissenschaftliche Forschung betrachtete lange Zeit die Nationalgesellschaft als unproblematische Bezugseinheit ihrer Analysen ('methodologischer Nationalismus'). Globale oder Weltsystem-Analysen blieben marginal und wenig überzeugend. In neueren Forschungen werden weiter gehende Raumkonfigurationen des Sozialen vorgeschlagen und diskutiert (Globalisierung, Supranationalisierung, Diaspora-Internationalisierung, Transnationalisierung). In dem Vortrag wird aufbauend auf einer expliziten Unterscheidung von Bezugs-, Analyse- und Erhebungseinheiten und auf unterschiedlichen Raumkonzepten eine Differenzierung zwischen inter-nationalen Vergleichsstudien, Weltsystem- und Transnationalisierungsstudien vorgeschlagen.

2010-07-06 Dr. Claudia Weinkopf
(Universität Duisburg-Essen; Institut Arbeit und Qualifikation [IAQ])
Entwicklungen der Niedriglohnbeschäftigung in Deutschland

Deutschland galt lange als eines der Länder mit einer besonders geringen Lohnspreizung. Mitte der 1990er Jahre ist der Niedriglohnsektor jedoch erheblich gewachsen und der Anteil der Niedriglohnbeschäftigung liegt nunmehr auch im internationalen Vergleich besonders hoch. Darüber hinaus zeigen vertiefende Analysen, dass das Lohnspektrum in einem erheblichen Ausmaß nach unten ausfranst. Auffällig ist außerdem, dass in Deutschland ein besonders großer Anteil der Niedriglohnbeschäftigten formal qualifiziert ist.

  • Welchen Entwicklungen unterliegt der Niedriglohnsektor in Deutschland?

  • Wie gehen wir mit einer Abwärtsspirale im Lohnsektor um?

Im Vortrag werden diese und andere Entwicklungen der Niedriglohnbeschäftigung in Deutschland aufgezeigt sowie Hintergründe und Ursachen analysiert. Darüber hinaus wird unter Bezug auf den internationalen Vergleich auf politische Handlungsmöglichkeiten eingegangen.

2010-06-29 Dr. Kornelia Konrad
(Universität Twente; Science, Technology, and Policy Studies [STePS])
Transition Management - . Transitionstheorie als Basis zur Exploration möglicher Szenarien und Pfade eines Innovationsfeldes: das Beispiel Smart Building

In den letzten Jahren wird die Transitionstheorie zunehmend genutzt, um sozio-technischen Wandel auf Sektorebene zu untersuchen, insbesondere zur Analyse historischer Übergänge von einem so genannten sozio-technischen Regime zu einem anderen sowie zur Exploration von Szenarien möglichen künftigen sektoriellen Wandels.

  • Wie reagieren Akteure in der Gegenwart auf „hypes and disappointments“ zukünftiger Technologien?

  • Wie gehen sozio-technische Regimes ineinander über?

Der Vortrag berichtet von einem Projekt, in welchem Transitionstheorie und weitere Erkenntnisse der science and technology studies (STS) genutzt wurden, um mögliche Szenarien und Pfade für Innovationsfelder zu explorieren.

2010-06-15 Prof. Dr. Armin Nassehi
(Ludwig-Maximilians-Universität München)
Wie inszeniert Soziologie Globalisierung?

Es herrscht Streit über das Phänomen der Globalisierung in der Soziologie. Man ist sich uneins darüber, ob man es überhaupt mit einem neuen Phänomen zu tun hat, woran man es erkennt und welche Konsequenzen es zeitigt.

  • Wie viel Zeitdiagnose steckt im Begriff der Globalisierung, wie viel Gesellschaftstheorie?

  • Hat man es überhaupt mit einem gesamtgesellschaftlichen Prozess zu tun oder haben unterschiedliche Funktionsbereiche moderner Gesellschaft ihre je eigene Globalisierung?

Fragen wie diese beschäftigen die Soziologie seit geraumer Zeit. Unterstellen diese Fragen jedoch noch eine gewisse Distanz zwischen dem soziologischem Beobachter und seinem Gegenstand, so fordert Armin Nassehi die Soziologie zu einer Selbstbeobachtung auf.

2010-05-19 Prof. Dr. Nina Degele
(Albert-Ludwigs-Universität Freiburg)
Klasse, Knackig, Cool: endlich intersektional

Mit der gegenwärtig zu beobachtenden Popularisierung von Intersektionalitätskonzepten in den Gender Studies geraten diese auch unter Beschuss. An diese These knüpft Nina Degele in Ihrem Vortrag einige Fragen:

  • Hat Geschlecht als forschungsorientierende Strukturkategorie ausgedient?

  • Führt die Dekonstruktion vormaliger Gewissheiten über den Stellenwert der Kategorie Geschlecht zur bestenfalls unverbindlichen Rede über vielfältige Verwobenheiten?

  • Lassen sich Theorien zu Intersektionalität überhaupt für die empirische Forschung nutzen?

Diesen Fragen wird Prof. Dr. Nina Degele anhand des Beispiels Fußball nachgehen und zeigen, welche Möglichkeiten das Konzept der Intersektionalität dabei eröffnet.

2010-01-26 Prof. Dr. Hans-Georg Soeffner
(Universität Konstanz)
Charisma

Prof. Dr. Hans-Georg Soeffner ist in vielen Hinsichten ein Vordenker der deutschen wie der internationalen Soziologie: In institutioneller etwa als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Soziologie (DGS) oder als Mitglied des Vorstandes und Fellow im KWI Essen, um nur zwei unter vielen bedeutenden Positionen zu nennen.

Das Verstehen von Bedeutungen und Positionen kann als sein zentrales Anliegen aufgefasst werden: Die (Wissens-)Soziologie Hans-Georg Soeffners lädt dazu ein, verstehen zu wollen, wie Sinn im Alltäglichen konstruiert, tradiert und trans-formiert wird. Der Alltag von Punks, Päpsten oderPolitikern, ihre spezifischen Artenund Weisen, Sinn zu machen, sich zu inszenieren, interessieren den verstehenden Soziologen Soeffner gleichermaßen.

Dass ihn bei dieser Beschäftigung das Thema „Charisma“ immer wieder herausgefordert hat, kann nicht verwundern. Wie vor ihm Alfred Schütz oder Thomas Luckmann, prägte und prägt Hans-Georg Soeffner unvermindert die „Konstanzer Schule“ und mit ihr die Soziologie in seinem spezifischen Sinn: als interpretative Erfahrungswissenschaft.

 

2009

Termin Referent/in Thema
2009-12-08 Prof. Dr. Gabriele Klein
(Universität Hamburg)
Choreographien des Sozialen

Dass mit „Gesellschaftstanz“ etwas ganz anderes gemeint sein kann als landläufig angenommen, zeigen die Biographie und die Publikationen von Prof. Dr. Gabriele Klein eindrucksvoll. Sie vereint zwei (zumindest soziologisch) lange völlig distinkt behandelte Bereiche: Tanz und Gesellschaft.

In ihrem Vortrag thematisiert siedie Besonderheit der choreographischen Ordnungen von künstlerischen und kulturellen Performances im öffentlichen Raum. Dabei sollen verschiedene Perspektiven eingeschlagen werden: eine stadtsoziologische Perspektive und eine bewegungs- und tanztheoretische Perspektive. Die empirische Grundlage bilden einerseits künstlerische Projekte, die von Gabriele Klein in ihrer Tätigkeit als Kuratorin des Steirischen Herbstes (Festival für Gegenwartskunst Graz) betreut wurden sowieandererseits Ergebnisse empirischer Forschungsprojekte zu populären urbanen Kulturen. Ziel des Vortrages ist es, eine Lesart von Choreographie vorzustellen, die diese zugleich als Bewegungsordnung und als Muster für eine Ordnung des Sozialen präsentiert.

2009-11-17 Clemens Kroneberg
(Universität Mannheim)
Das Modell der Frame Selection. Theorie und Forschungspraxis

Das von Hartmut Esser und Clemens Kroneberg entwickelte Modell der Frame-Selektion (MFS) ist gegenwärtig eine der am stärksten diskutierten Handlungstheorien in der deutschen Soziologie. Das MFS versucht, zentrale Einsichten diverser sozialwissenschaftlicher Erklärungsansätze in eine integrative Theorie zu überführen. Im Gegensatz zum ökonomischen Handlungsmodell rückt es die kulturell geprägte Definition der Situation und die variable Rationalität der Akteure in den Vordergrund. Empirische Anwendungen liegen u.a. in der politischen Soziologie sowie der Bildungs-, Familien- und Umweltsoziologie vor.

In seinem Vortrag wird Clemens Kroneberg das MFS vorstellen und aufzeigen, welche empirischen Erklärungsgewinne seine Anwendung ermöglicht. Letzteres geschieht am Beispiel der Erklärung der Rettung von Juden im Zweiten Weltkrieg. Um dieses äußerst seltene, häufig altruistisch motivierte Handeln angesichts hoher Risiken zu verstehen, muss das Zusammenspiel von moralischen Motivationen, Anreiz- und Gelegenheitsstrukturen und Prozessen sozialer Mobilisierung betrachtet werden.

2009-06-23 Prof. Dr. Stefan Hornbostel
(Humboldt-Universität Berlin)
Analysen der Exzellenzinitiative

Rund zwei Jahre nach dem Start der ersten Exzellenzeinrichtungen hat das Institut für Forschungsinformation und Qualitätssicherung (iFQ) einen Bericht zur Implementierungsphase der Exzellenzinitiative (Graduiertenschulen und Exzellenzcluster) vorgelegt.

Das iFQ hat im Zeitraum von Juli 2007 bis Mai 2008 Textanalysen der Förderanträge, Interviews mit Sprecherinnen und Sprechern der Schulen und Cluster, eine Stammdatenerhebung und eine Befragung aller maßgeblich beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (Principal Investigators) durchgeführt. Auf dieser Grundlage konnten Eindrücke und Erfahrungen zur Umsetzung der Fördermaßnahmen gewonnen wer-den, sowohl hinsichtlich erster Erfolge als auch sich abzeichnender Problemlagen.

2009-05-12 Diana Lengersdorf
(Technische Universität Dortmund)
Arbeitsalltag ordnen: Soziale Praktiken in einer Internetagentur

2009-04-28 Dr. Mark de Bruijne
(TU Delft)
Reliability in institutionally fragmented critical infrastructure: reframing our governance challenges

Critical infrastructures are the arteries and veins of Western, urbanized societies. The services and products provided by these large-scale, complex systems are considered essential. However, in recent years, more and more new problems seem to pop up after these infrastructures were opened up to market forces. What has happened in these critical infrastructures that we have come to depend upon?

Mark de Bruijne will focus on the governance challenges that these complex systems pose. Based on his dissertation research, de Bruijne will focus on the daily control and management of critical infrastructures - the world of control rooms to illustrate these challenges. How has restructuring influenced the ability of those who operate these critical infrastructures to provide reliable services? And how do they cope with the effects of restructuring?

Based on these findings, de Bruijne will reflect on the governance challenges that confront our critical infrastructures with regard to essential public values such as reliability, sustainability (transitions) or security. How to ensure these values in a world where interests of various stakeholders diverge on these issues? What does this mean for the regulation of these systems? How to achieve reliability or sustainability? And what role remains for governments?

2009-02-02 Dr. Michael Spehr
(Frankfurter Allgemeine Zeitung)
Zwischen Aufklärung und Anpassung. Das Bild der Technik in den Medien

Der Historiker und Technikjournalist Dr. Michael Spehr hat 1998 an der Universität Bielefeld mit einer Arbeit zum Maschinensturm im 19. Jahrhundert promoviert. Seit 1999 ist er Mitglied der Redaktion "Technik und Motor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Neben aktuellen Berichten zu neuen technischen Produkten hat er sich immer wieder durch grundlegende Reflexionen beispielsweise über "Die Ratlosigkeit des Menschen im Dickicht des Digitalen" (2006) oder mit Hintergrundartikeln wie "Das Auto im unsichtbaren Netz der Sicherheit" (2008) hervorgetan.

In seinem Vortrag befasste er sich mit der Rolle der Medien im Internet-Zeitalter, die einerseits versuchen, ihre aufklärerische Funktion wahrzunehmen, andererseits aber gerade durch die neuen Medien immer mehr in Bedrängnis geraten. Er setzte sich zudem kritisch mit der aktuellen Medienkrise und insbesondere mit der gegenwärtigen Lage des Fachjournalismus auseinander.

2009-01-13 Ivonne Küsters
(Technische Universität Dortmund)
Kulturmanagement - eine Analyse unter differenzierungstheoretischen Aspekten

Unter einer differenzierungstheoretischen Perspektive interessiert am Kulturmanagement vor allem seine Schnittstellenfunktion zwischen Kunst und Wirtschaft, sowie Politik und Medien. Auf der Grundlage einer qualitativen Untersuchung wird herausgearbeitet, ob und wie Kulturmanager zugleich einer künstlerischen und ökonomischen Logik folgen und welche Hinweise dies auf die Art der Verknüpfung dieser Differenzierungsbereiche geben kann.

 

2008

Termin Referent/in Thema
2008-12-09 Prof. Dr. Isa Jahnke
(Technische Universität Dortmund)
Analysen der Exzellenzinitiative

Prof. Dr. Isa Jahnke (Juniorprofessorin) stellt in ihrem Beitrag eine besondere Form der grafischen Modellierung (GM) als qualitative Methode vor. Der Beitrag zeigt, wie und unter welchen Bedingungen eine GM eingesetzt wird und reflektiert mögliche Effekte sowie Vor- und Nachteile, die mit der Visualisierung von sozialen Strukturen und Prozessen verbunden sind.

2008-12-03 Volker Wittke
(SOFI Göttingen)
Governance industrieller Produktions- und Innovationsketten

Der Vortrag beschäftigt sich mit neuen Formen der Gestaltung und Koordination industrieller Produktionsund Innovationsaktivitäten über Unternehmensgrenzen hinweg. In der aktuellen Diskussion spielen dabei "modulare" Netzwerke und "modulare" Formen der Governance eine zentrale Rolle. Im Vortrag werden die Strukturen "modularer" mit denen "integrierter" Produktions- und Innovationsketten kontrastiert und nach ihrer jeweiligen theoretischen und empirischen Relevanz gefragt.

2008-11-11 Raymund Werle
(MPIfG Köln)
Die Wissensgesellschaft als Marktgesellschaft? Das Beispiel Patente

Vor dem Hintergrund neoliberaler Bemühungen, den Marktmodus als dominante gesellschaftliche Governanceform zu verankern, werden am Beispiel von Patenten für neues technisches Wissen die Probleme aufgezeigt, mit denen die Schaffung eines Marktes für Wissen, dem zentralen Produktionsfaktor der Wissensgesellschaft, konfrontiert ist. Das gilt auch für den Handel von Patenten, die eine spezifische de-kontextualisierte Form geistigen Eigentums darstellen und in dieser Form grundsätzlich handelbar sind.

 



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