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Archiv "Aktuelle Debatten der Soziologie" (ab 2014)

Logo "Aktuelle Debatten der Soziologie"Hier findet sich eine Übersicht der in den vergangenen Semestern im Rahmen des Kolloquiums von den jeweiligen Referent/inn/en gehaltenen Vorträge (i.d.R. mit einer kurzen Zusammenfassung):

 


2014   2015   2016   2017


2017

Termin Referent/in Thema
2017-06-26 Prof. Dr. Michael Latzer
(Universität Zürich / Schweiz))

Algorithmische Selektion im Internet: Auswirkungen auf Ökonomie, Politik und den Alltag

Die Macht der Algorithmen ist ein rasch wachsendes Thema in Wissenschaft, Politik und der Öffentlichkeit. Weite Bereiche der täglichen Aktivitäten in Informationsgesellschaften, insbesondere auch der Medienkonsum, werden zunehmend von Internet-Anwendungen geprägt, die auf automatisierten algorithmischen Selektionsprozessen und Bedeutungszuweisungen aufbauen. Im Vortrag wird gezeigt, wie das Phänomen der algorithmischen Selektion im Internet systematisch erfasst und analysiert werden kann. Diskutiert werden dessen Größe, Geschäftsmodelle, gesellschaftliche Funktionen, politische und soziale Chancen und Risiken. Wie beeinflussen Algorithmen Gesellschaften, die durch Datafizierung und Plattformisierung geprägt sind? Wo liegen die Unterschiede zwischen einer algorithmischen und einer massenmedialen Wirklichkeitskonstruktion? Welche demokratischen und sozialen Risiken ergeben sich und wie können diese gesteuert werden?

2017-01-16 Dr. Daniela Schiek
(TU Dortmund)

Über geregeltes Arbeitsleben: Jahrmarkt-Schausteller*innen

Anders als andere gesellschaftlich marginalisierte Milieus vererben Schausteller/-innen ihre Arbeits- und Lebensweise absichtlich und sind sie auch nicht eindeutig in die exkludierten Zonen der Gesellschaft oder auch  den unqualifizierten Teilarbeitsmarkt einzuordnen. Denn obwohl ihre Tätigkeit der reinen Volksvergnügung sowohl kulturell als auch formal kaum Anerkennung erfährt, ist sie bei genauerem Hinsehen nicht als /bad/ oder gar /dirty job/ zu begreifen. Eine treffende soziologische Erfassung der Arbeits- und Lebensweisen von Jahrmarkt-Schausteller/-innen ist derzeit allerdings kaum möglich, da entsprechende Ansatzpunkte fehlen: Die Arbeits- und Lebensweisen von Jahrmarktschausteller/-innen sind soziologisch nahezu unerforscht. Im vorliegenden Beitrag soll das Feld der Arbeits und Lebensweisen von Jahrmarkt-Schausteller/-innen soziologisch zugeschnitten werden, sodass ein erster Zugang zum Phänomen gelegt ist. Hierzu wird auf eine explorative qualitative Pilotstudie zurückgegriffen, von der aus wesentliche Dimensionen und dabei insbesondere arbeitssoziologische Anknüpfungspunkte für die Sozialforschung abgeleitet werden.

2017-01-09 Dr. Nina Schwarz
(Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig)

A framework for mapping and comparing behavioral theories in models of social-ecological
systems

In Simulationsmodellen werden zunehmend menschliche Entscheidungen explizit abgebildet. Eine aktuelle Review-Studie zur theoretischen Fundierung von menschlichen Entscheidungen in Landnutzungsmodellen zeigt, dass die Entscheidungsregeln in solchen Modellen häufig nicht basierend auf sozialwissenschaftlichen Theorien entwickelt werden, sondern ad hoc oder angelehnt an empirische Daten einer konkreten Fallstudie. Deshalb werde ich anhand von Beispielen skizzieren, welche Herausforderungen bei der Implementation konkreter Theorien zur Entscheidungsfindung zu bewältigen sind und Perspektiven aufzeigen, wie damit umgegangen werden kann.

2016

Termin Referent/in Thema
2016-12-12 Dr. Stefan Müller
(Friedrich-Ebert-Stiftung Bonn)

Humanisierung der Arbeit aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive

Ende der 1960er-Jahre gerieten Arbeitsbedingungen und die Qualität von Arbeit in die öffentliche Debatte. Neben einer Reihe von Arbeitsschutzgesetzen nahm insbesondere das 1974 begonnene Forschungs- und Aktionsprogramm zur "Humanisierung des Arbeitslebens" (HdA) eine wichtige Rolle bei Forschungen zur Arbeitsgestaltung ein. Das HdA-Programm brach mit seiner Fokussierung auf humane Arbeitsgestaltung (in technologischer und arbeitsorganisatorischer Hinsicht) mit der Tradition der Technologieförderung. Bis heute gilt es arbeitspolitischen Akteuren, insbesondere aus den Gewerkschaften, als Modellprojekt. Entstehung, Aufstieg und Krise des HdA-Programms lassen sich mithin als Geschichte eines sozialliberalen Reformvorhabens lesen, in dem Technologiepolitik, ökonomische Modernisierung und Arbeitsschutz für kurze Zeit ein Bündnis eingingen. Im Vortrag werden der gesellschaftspolitische Kontext um Humanisierung der  Arbeit seit Ende der 1960er-Jahre, das HdA-Programm selbst sowie die  spezifischen geschichtswissenschaftlichen Perspektiven auf dieses  soziologische Thema diskutiert.

2016-12-05

Dr. Christof Knoeri
(ETH Zürich)

Mind the goal: Modelling the impact of
technology-push and demand-pull policies on socio-technical transitions

Technology-push and demand-pull policies have been shown to be important elements of the policy mix for socio-technical transitions. Currently, however, we still lack a sufficient understanding of how to balance these two types of policies to maximize policy efficiency and effectiveness. In this paper we use agentbased modelling to simulate how the relative focus on technology-push vs. demand-pull policies affects the outcome of policy interventions in socio-technical systems. Based on historical data for the solar photovoltaic industry in Germany, we show that whether a focus on technology-push or demand-pull policies is more effective depends on two important factors: (1) the goals of policy-making and (2) the relative weight policy makers put on present vs. future performance. A focus on technology-push is useful if policy makers pursue industry policy goals and put a stronger weight on future performance. A focus on demand-pull is more effective if policy makers pursue environmental goals and strongly value present performance. Our study contributes to the literature on policy mixes by stressing the importance of weighing and combining alternative policy goals, rather than only instruments. Moreover, by shifting the discussion to policy goals our research helps more closely integrate the literatures on policy mixes and politics.

2016-07-11 Dr. Ulf Ortmann
(Universität Bielefeld)

Sozialverträglichkeit 4.0: Technikfolgenabschätzung im Industriebetrieb

Schon Ende der 1980er Jahre empfahl der VDI zur Planung betrieblicher Automationsvorhaben „die frühzeitige Abschätzung und Berücksichtigung der Auswirkungen der Technologie auf die Betroffenen sowie auf die natürliche und gesellschaftliche Umwelt“ (VDI 1989: 8). Im Zusammenhang von Industrie 4.0 haben sozial verträgliche Technikgestaltung und soziotechnische Systemgestaltung wieder Konjunktur. Zum einen soll die Digitalisierung industrieller Produktion einhergehen mit Qualifizierung der Beschäftigten („Facharbeiteringenieure“), innovativer Arbeitsgestaltung („Werkzeugszenario“) und neuen Geschäftsmodellen („Smart Services“). Zum anderen sollen „die Beschäftigten frühzeitig in die innovative sozio-technische Gestaltung der Arbeitsorganisation, Weiterbildung sowie die technische Weiterentwicklung einbezogen [werden].“ (Kagermann et al. 2013: 30)

Welche kommunikativen Verfahren aber stehen Betriebsräten, Abteilungs- und Geschäftsleitungen zur Verfügung, um Mitarbeiter in umfassende, soziotechnische Veränderungen von Arbeit, Organisation und Technik einzubinden? Ich präsentiere in meinem Vortrag die Ergebnisse eines Verfahrens partizipativer Technikfolgenabschätzung, in dessen Verlauf Elektrotechniker, Maschinenbauer, Softwareentwickler, Produktionsplaner, Vertriebsmitarbeiter und der Betriebsrat eines Konzerns ihre jeweiligen Ziele und Pläne diskutiert haben, die sie mit laufenden Industrie-4.0-Projekten im Konzern verbinden. Am Beispiel dieses Verfahrens stehen Möglichkeiten und Grenzen sozialverträglicher Technikgestaltung im Zentrum des Vortrags: Ob partizipative Technikfolgenabschätzung zu innovativer Arbeitsgestaltung und zur Qualifizierung von Industriearbeit beiträgt, ist skeptisch zu beurteilen.

2016-06-20 Dr. Georg Holtz / Thorben Jensen
(Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie)

Modellierung von Transitionsprozessen

Die Energiewende ist in vollem Gange. Der zunehmende Ausbau der erneuerbaren Energien erfordert den Um- und Aufbau verknüpfter technischer Systeme wie Netze und Speicher, wird von fortwährend angepassten Gesetzen und
Regelwerken geleitet, vergrößerte die Anzahl der im Energiesystem involvierten Akteure, und verschiebt deren Rollen. Langfristige, tiefgreifende Veränderungsprozesse in komplexen soziotechnischen Systemen wie die Energiewende haben weitreichende Konsequenzen für die Gesellschaft, und ein vertieftes Verständnis solcher "Transitionen" ist wünschenswert, um geeignete Steuerungsmechanismen zu entwickeln. Computersimulationsmodelle sind prinzipiell geeignete Werkzeuge, um komplexe Systeme zu analysieren. Die schiere Menge an involvierten Akteuren, Regeln und technischen Elemente sowie insbesondere die Relevanz sozialer Aspekte jenseits des "rationalen Akteurs" bringen jedoch auch große Herausforderungen für die Modellierung von Transitionen mit sich. Der Vortrag diskutiert die Möglichkeiten und Grenzen der Modellierung von Transitions am Beispiel der Energiewende, und führt in verschiedene Modellierungsansätze ein.

2016-05-30 Prof. Dr. Manfred Wannöffel
(Ruhr-Universität Bochum)

Lernfabriken an Universitäten: Interdisziplinäre Forschung und Ausbildung von Technik und Arbeit

To counteract the challenging developments in the field of German manufacturing industry a comprehensive perspective especially for learning factories is needed. While in the past engineers mainly focused on the technological as well as organisational aspects, today the personnel aspect becomes even more important, since Industrie 4.0 relays on big data, data mining and cyber-physical systems thus interfering with the employees’ personal rights. The work environment in manufacturing industries starts to change from manual tasks to planning and control and at the same time employees become more transparent, since assistance systems need to provide information to the employee demand-oriented. The lecture will focus on the need for an additional content group within German learning factories, in order to provide a holistic view thus being able to train students, shop floor-, mid- and top-level employees as well as workers’ representatives.

2016-05-09
P1-05-309
Gregor Kungl
(Universität Stuttgart)

Organisationaler Wandel und Adaptionsfähigkeit des Energiesystems

Der deutsche Stromsektor war in den letzten zwei Dekaden von tiefgreifenden Veränderungen gekennzeichnet. Die Marktöffnung 1998, die staatliche Förderung und der daraus folgende Ausbau erneuerbarer Energien, die Wirtschaftskrise und schließlich die Nuklearkatastrophe von Fukushima - um nur die wichtigsten Entwicklungen zu nennen - hatten tiefgreifende Auswirkungen auf die Konstitution des Sektors. Die durch diese Impulse angestoßenen Veränderungsprozesse wurden in ihrem Verlauf maßgeblich durch die Aktivitäten der großen Stromkonzerne - E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall - mitgeprägt. In meinem Vortrag möchte ich der Frage nachgehen, welche Rolle die großen Energieversorger im Transformationsprozess des deutschen Stromsektors spielten. Nachdem die Konzerne in ihren Strategien lange Zeit von einer großen Beharrungsfähigkeit gekennzeichnet waren, wird ein Schwerpunkt auf die Ursachen organisationaler Trägheit, sowie die Möglichkeiten zur Überwindung dieser gelegt. Dazu werden die Aktivitäten der Konzerne im Zeitraum von 1998 bis 2015 einer vergleichenden Analyse unterzogen und dabei stets im Kontext dynamischer politischer, ökonomischer und technologischer Rahmenbedingungen betrachtet. Dies geschieht auf Basis der qualitativen Inhaltsanalyse einer Vielzahl an Dokumenten sowie 22 Experteninterviews mit Managern der Unternehmen. Der theoretische Rahmen der Arbeit fußt auf der Feldtheorie von Fligstein und McAdam (2012), welche durch die ökonomischen Arbeiten Pierre Bourdieu's (1992 (mit Wacquant); 2005) sowie die Theorie sozio-technischen Wandels von Ulrich Dolata (2011) komplementiert wird. Um der Frage nach organisationaler Trägheit sowie deren Überwindung nachzugehen, werden darüber hinaus unter Bezug auf Arbeiten von unter anderem Hannan und Freeman (1977; 1984), Sydow et al. (2009) sowie Geels (2014) Dimensionen sowie Mechanismen von Trägheit identifiziert, welche analytisch ins Feld geführt werden.

2016-02-01 Dr. Bert Droste-Franke
(EA European Academy Ahrweiler)

Herausforderungen für Analysen zukunftsfähiger Energiesysteme

Eine der größten Herausforderungen unserer Zeit ist die Reduktion von CO2-Emissionen um den anthropogenen Einfluss auf den Klimawandel zu reduzieren und in akzeptablen Grenzen zu halten. Vor dem Hintergrund, dass CO2 das chemische Hauptprodukt der thermischen Energieumwandlung ist, stellt der Umbau der Energieversorgungssysteme hin zu einem hohen Anteil erneuerbarer Energiequellen eine wesentliche Maßnahme dazu dar. Entsprechende neue Technologien müssen im laufenden Betrieb in das System integriert werden. Systemanalysen bilden dabei die Grundlage für Entscheidungen über die Gestaltung und Ergreifung von Maßnahmen. Basierend auf diversen interdisziplinären Studien der EA, werden im Vortrag zunächst allgemeine Ziele, Herausforderungen und Anforderungen der Analyse zukünftiger Energiesysteme abgeleitet, bevor spezifische technische Herausforderungen und Optionen für den Ausgleich von Angebot und Nachfrage von elektrischem Strom diskutiert und ansatzweise bewertet werden. Eine kritische Diskussion klassischer Energieszenarienstudien zeigt ihre grundlegenden Schwächen und Lücken im Bereich der Systemanalysen und der Optionenbewertung neuer Technologien auf. Schließlich werden Ansätze zur Verbesserung von Analysen zukünftiger Energiesysteme in den laufenden EA-Projekten vorgestellt.

2016-01-11 Dr. Jochen Markard
(ETH Zürich)

Sustainability transitions in the energy sector: Conceptual challenges and emerging lines of research

The energy sector is changing fundamentally. New technologies such as wind, solar, smart grids, energy storage or electric vehicles are diffusing rapidly, thus complementing and partly even substituting the use of fossil and nuclear fuels. Also, existing institutional structures and organizations are in turmoil, including major changes in business models, value chains, ownership structures, social practices, markets and regulations. Moreover, the ongoing energy transition is also associated with sustainability issues: it is driven, among others, by concerns about greenhouse gas emissions, clean air, nuclear risks, energy prices, energy independence etc. Drawing from the broader literature on sociotechnical transitions, I will frame the energy transition as an example of socalled sustainability transitions. I will introduce some of the key particularities of the energy transition and discuss implications for analysis and theory building. The current energy transition is characterized by a high degree of uncertainty and complexity, strong vested interests and lock-in, a key role for public policy, and a variety of contextdependent transition pathways. Moreover, it involves and affects a broad range of technologies, institutions and actors. As a consequence, researchers have to address issues such as continuing struggles over problem definitions and solutions, politics and power of incumbent actors, systemic interaction of multiple technologies, crossovers to adjacent sectors, or variation across places and contexts. I will illustrate my arguments with findings from recent research projects related to the energy transition in Germany and Switzerland.

2015

Termin Referent/in Thema
2015-12-07 Prof. Dr. Berndt Keller
(Universität Konstanz)

Berufsgewerkschaften im System der Tarifverhandlungen: Voraussetzungen, Ziele, Konsequenzen

Berufs- und Spartengewerkschaften haben als autonome Akteure der Tarifpolitik seit den frühen 2000er Jahren erheblich an Bedeutung gewonnen. Im Vortrag werden zunächst zentrale Merkmale dieses spezifischen Organisationstyps (u. a. Mitgliederzahlen, Organisationsgrade, erste Tarifverträge, Handlungslogiken) vorgestellt und von den dominierenden Industriegewerkschaften abgegrenzt. Der zweite Teil des Vortrags behandelt das aktuelle Problem Tarifeinheit versus Tarifpluralität. Eine ausführliche Kritik des Tarifeinheitsgesetzes erfolgt auf drei Ebenen: Probleme der Praktikabilität, Einordnung in den Kontext, potentielle Konsequenzen für die Arbeitsbeziehungen. Der Schlussteil gibt einen Ausblick auf die weiteren Entwicklungsperspektiven der Berufsgewerkschaften.

2015-11-16 Dr. Ramón Reichert
(Donau-Universität Krems)

Facebook und das Regime der Big Data

In allen Bereichen der digitalen Internetkommunikation werden heute große Datenmengen generiert. In der Ära der Big Data hat sich der Stellenwert von sozialen Netzwerken radikal geändert, denn sie fungieren zunehmend als gigantische Datensammler für die Beobachtungsanordnungen sozialstatistischen Wissens und als Leitbild normalisierender Praktiken. Vor diesem Hintergrund ist in öffentlichen Debatten spekuliert worden, auf welche Weise soziale Netzwerke die Zukunft ihrer Mitglieder vorhersehen und planen können. Diese Frage kann jedoch ohne Rekurs auf die Dominanz der angewandten Mathematik und der Medieninformatik nicht ausreichend beantwortet werden. Denn beide Praxis- und Wissensfelder haben mit ihren stochastischen Analysetechniken von Nutzeraktivitäten die digitale Vorhersagekultur der Sozialen Medien im Web 2.0 erst ermöglicht, die es früher in diesem Ausmaß und Machtanspruch noch nicht gegeben hat.

2015-06-22 Prof. Dr. Henning Best
(Universität Würzburg)

Empirische Prüfung entscheidungstheoretischer Modelle:
Das Beispiel der Low-Cost-Hypothese

In der Literatur wird eine kontroverse Debatte darüber geführt, welche Art der empirischen Prüfung für entscheidungstheoretische Modelle angemessen ist. Diese Diskussion steht in direkter Verbindung zu der Zielsetzung der theoretischen Modellierung: Während im Rahmen der "weiten" RC-Theorie eher auf Methoden der direkten Nutzenmessung zurückgegriffen wird, lassen "enge" Varianten der Theorie auch in der empirischen Prüfung die black box geschlossen und plädieren stärker für eine indirekte Prüfung des Modells auf Basis der Vorhersagen. In diesem Vortrag werden verschiedene Prüfstrategien am Beispiel der "Low-Cost-Hypothese" diskutiert.

2015-06-15 Prof. Dr. Jörg Sydow /
Michael Grothe-Hamme
(FU Berlin)

Von High-reliability organizations (HRO) zu High-reliability networks (HRN)? Das Beispiel der Düsseldorfer Feuerwehr

Most research on high-reliability organizations (HRO for short) has concentrated upon how teams or single organizations operate reliably, despite being prone to fatal hazards. Recently, a growing body of disparate studies has called for more research on interoganizational forms of reliability towards what could be called high-reliability networks (HRN for short). We substantiate this nascent stream by drawing from literature on interorganizational networks and explore governance dynamics of high-reliability networks by means of an in-depth field study of the networked emergency management of the city of Düsseldorf, Germany. Herein we present three contributions: First, we substantiate the theory of high-reliability at the network level. Second, we show that, contrary to most research on HROs and their focus on decentralized and simplified lines of authority, network governance in HRNs oscillates between assertive and supportive modes of governance. Third, the paper demonstrates how HRNs develop a capacity to prepare better for the unexpected.

2015-05-11 Prof. Dr. Eric W. Steinhauer
(FU Hagen / HU Berlin)

Digitales Publizieren - Zur Zukunft des wissenschaftlichen Publizieren

Durch die Digitalisierung von Inhalten, ihre freie Zugänglichkeit im Internet und die mitunter sehr rege Nutzung von Social Media (Blogs, Twitter, Researchgate, etc.)  gerade durch jüngere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler deuten sich Veränderungen im wissenschaftlichen Publizieren an. Im Rahmen des Vortrags sollen zunächst die im Vergleich zur analogen Welt vollkommenen anderen Rechtsgrundlagen digital publizierter Inhalte erklärt und in ihren Auswirkungen auf die traditionellen Wege (z.B. Zeitschriften) und Institutionen (z.B. Bibliotheken) diskutiert werden. Dabei sollen auch Fragen der Nachhaltigkeit digitaler Publikationen (Langzeitarchivierung) und ihre Bedeutung für die Zukunft klarer wissenschaftlicher Berufsbilder und Karrieren (Deprofessionalisierung durch Open Science?) zur Sprache kommen.

2015-04-20 Prof. Dr. Frank Kleemann
(Universität Duisburg-Essen)

Crowdsourcing revisited

Crowdsourcing bezeichnet die Auslagerung (outsourcing) von Leistungen, die üblicherweise von betrieblichen Arbeitskräften erbracht werden, an eine undefinierte Masse (crowd) von Privatpersonen, vermittelt über das Internet. Technische Grundlage sind "interaktive" Internetstrukturen ("Web 2.0", "Social Media"), die es Nutzern ermöglichen, auch ohne technische Vorkenntnisse eigene Inhalte auf vorstrukturierte Seiten einzustellen und miteinander zu kommunizieren. An Crowdsourcing-Angeboten partizipierende Internetnutzer werden von passiven Konsumenten zu aktiven (Mit)Produzenten ("Prosumer", "Produser", "arbeitende Konsumenten"), deren Leistungen von Unternehmen verwertet werden, und es ergeben sich Relationen zwischen Unternehmen und Crowd, die sich von gängigen "Kundenbeziehungen" grundlegend unterscheiden. Zudem adressieren Unternehmen mittels Crowdsourcing nicht nur "private" Konsumenten, sondern gezielt auch fachlich qualifizierte Arbeitskräfte, und versuchen deren Arbeitsleistungen unmittelbar in eigene Wertschöpfungsprozesse zu integrieren("Cloud Work"). Standen anfangs vor allem die neuen Möglichkeiten der Einbeziehung von Internetnutzern im Vordergrund ("open innovation", "user innovation", "interaktive Wertschöpfung"), so werden zunehmend auch Bedingungen und (teils unintendierte) Konsequenzen des Crowdsourcing in den Blick genommen, mit denen sich auch der Vortrag auseinandersetzt. Aufbauend auf Befunden eines abgeschlossenen eigenen Forschungsprojekts zur Integration der Leistungen von Internetnutzern in betriebliche Wertschöpfungsprozesse, werden neueste Entwicklungen und Perspektiven in den Blick genommen.

2015-01-22 JProf. Dr. Jannika Mattes
(Universität Oldenburg)

Transformation regionaler Innovationssysteme

Energy transitions have been addressed in a field of research that is concerned with structures and dynamics of sociotechnological transitions. Smallscale regions are thereby important seedbeds and helpful fields for the empirical observation of energy transitions. Yet, systematic accounts of spatial and relational dimensions of transitions are underrepresented in the prevalent theories, the Multi-Level-Perspective (MLP) and the Technological Innovation Systems (TIS) approach. This presentation shows how these approaches to energy transitions can be complemented by regional innovation system (RIS) analysis. Drawing on the RIS approach, it can be shown that local development dynamics result from the interaction of various subsystems: science, politics, public administration, industry, finance, intermediaries and civil society. Combining RIS with elements of MLP and TIS, the presentation will further suggest "Regional Learning Systems" as a new framework for analysis. Regional Learning Systems explain transitions as interplay between actors, places of regional learning and landscapes that frame transitions vis-à-vis the system's environment.

This approach will be illustrated with empirical insights obtained in the project COMPOSITE. Case studies from Emden and Bottrop show how energy transitions occur in particular locations and disentangle the networks of the participating actors. An interesting empirical result is that the degree of institutionalization differs highly between the two locations: While Bottrop has created specialized organizations to coordinate and support its energy transformation, Emden relies upon personal networks of the leading individuals. The difference is also mirrored in the divergent role of the subsystems.

2014

Termin Referent/in Thema
2014-12-15 PD Dr. Claus Tully
(FU Berlin)

Aufwachsen mit Technik – Technik im Jugendalltag 1950 bis 2010

Jugendliche wachsen mit Technik auf. Das war 1950 so und 2010 auch. In jüngerer Zeit bekommt Technik jedoch vermehrt Einfluss auf die Gestaltung des Alltags Heranwachsender. Diesen Prozess soll der Vortrag beleuchten. Er zeigt auf, dass sich das Technikbild wandelt. Stichwort: Technikgenerationen. Es sollen Generationen bestimmt werden und heutige Möglichkeiten der Deutung von Technik.

Nicht die Aneignung technikbezogener Funktionsweisen steht dabei im Vordergrund, sondern die durch Techniknutzung angestoßenen spezifischen Effekte. Ästhetik, Emotionen, Kommunikation und Vernetzung stehen neben anderen Attributen für einen neuen Technikzugang. Der Vortrag endet mit einem Überblick über absehbare Trends, welche mit der heute erlebten Technisierung des Alltags verbunden sind.

2014-11-24 Prof. Dr. Stefan Müller
(Universität Paderborn)

Technikrecht als Mittel der Technikregulierung?

Recht als Modus der gesellschaftlichen Steuerung von Technologien und Innovationen - Rechts- und sozialwissenschaftliche Perspektiven im Diskurs

Anerkanntermaßen ist das Recht ein soziales Subsystem zur Steuerung und Bewältigung gesellschaftlich relevanter Konflikte. Gerade die juristische Steuerung der Rahmenbedingungen, unter denen Technologien und Innovationen entstehen, sowie der Folgen, die aus der Umsetzung von Technologien und Innovationen herrühren, muss in besonderem Maße dem Umstand Rechnung tragen, dass das spezifische Risikopotential häufig noch nicht hinreichend bekannt bzw. erforscht ist. Doch selbst unter diesen Bedingungen können sich Rechtsordnung und Rechtswissenschaften der Konzeption eines vorausschauenden rechtlichen Risikomanagements ebenso wenig entziehen wie Regelungen über die personale oder institutionelle Zuweisung der Auswirkungen technologie- oder innovationsbedingten Risiken, die sich in Schäden realisiert haben oder sich womöglich zukünftig in Schäden realisieren werden. Das bewusst als Diskussionsgrundlage angelegte Referat wird unterschiedliche juristische Steuerungsgegenstände und Steuerungsinstrumente aus verschiedenen Technologiebereichen vorstellen und den Versuch eines Vergleichs zwischen der sozialwissenschaftlichen und rechtswissenschaftlichen Steuerungslehre wagen: Was erwartet die Soziologie von der Rechtswissenschaft, was kann das Recht von der Soziologie lernen und welches Potential bietet möglicherweise die transdisziplinäre Betrachtung von Technologien und Innovationen in der Schnittmenge zwischen Sozial- und Rechtswissenschaften?

2014-10-13 Dr. Fritz Rettberg
(TU Dortmund)

Die Energiewende und ihre regionale Umsetzung – Das Beispiel des Masterplans Dortmund

Im Masterplan Energiewende der Stadt Dortmund wurden in einem breiten Beteiligungsprozess mit Akteuren aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Industrie, Handwerk, Wissenschaft, Stadtverwaltung und Politik die Chancen undHerausforderungen diskutiert und bewertet, die sich für die Stadt Dortmund ausder Energiewende ergeben. Hier sind über 200 Projektideen und eine Roadmap mit Leuchtturmprojekten bis zum Jahr 2020 entwickelt worden. Die erarbeiteten Ansätze werden nun in ein Smart City-Konzept überführt. In ausgewählten Demonstrationsgebieten sollen Projekte entwickelt werden, die eine zukünftige "Smart City" gestalten und das gesamtgesellschaftliche Ziel vom "Guten Leben" unterstützen. Zielsetzung des Vorhabens ist es aufzuzeigen, wie sich Quartiere, Städte und Regionen im Sinne einer intelligent vernetzten Stadtentwicklung verändern können und wie diese Entwicklungen in den Dienst der Menschen gestellt werden, die jetzt und in Zukunft mit den sich verändernden Rahmenbedingungen leben werden.

Dazu werden mit dem angestrebten Gesamtdemonstrationsgebiet die großen Themen fortschreitender Urbanisierung adressiert und über den Einsatz von zukunftsweisender Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) miteinander zu einem intelligenten Gesamtsystem verknüpft.

2014-07-09
CDI / 414
Ben Kokkeler
(University of Twente)

Vortrag im Rahmen des Kolloquiums des Zentrums für Hochschulbildung (zhb)

2014-07-02 Prof. Dr. Kristian Kersting
(Fakultät Informatik, TU Dortmund)

Sarah Küsgen
(Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, TU Dortmund)

Dr. Kai-Uwe Loser
(Institut für Arbeitswissenschaft, Ruhr-Universität Bochum)

Prof. Dr. Johannes Weyer
(Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, TU Dortmund)

Robin D. Fink
(Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät, TU Dortmund)

Was passiert mit unseren Daten? Zwischen permanenter Bedrohungs-Paranoia und Post-Privacy

Roundtable-Gespräch mit Vertretern der datenverarbeitenden IT-Wirtschaft, der Wissenschaft, der Datenschützer und anderen. Die Fachreferenten werden jeweils ca. 10-15 Minuten vortragen und sich im Anschluss an einer Podiumsdiskussion mit dem Publikum beteiligen. Die Veranstaltung wird moderiert von Johannes Weyer.

Die jüngsten Enthüllungen des Whistle-blowers Edward Snowden haben einmal mehr verdeutlicht, dass im Zeitalter von Social Media das massenhafte Sammeln von Daten enorm attraktiv ist. Im Rahmen der Veranstaltung soll der Frage, was mit unseren Daten passiert, aus technischer, betriebswirtschaftlicher und soziologischer Perspektive nachgegangen werden. Die technischen Möglichkeiten des modernen Data-Minings sind mannigfaltig und ermöglichen inzwischen weitgehende Schlussfolgerungen bis auf die Individualebene. Gesammelte Daten aus sozialen Netzwerken sind besonders attraktiv für das Marketing und für die Produktentwicklung. Der Datenschutz wird vor diesem Hintergrund vor neue Herausforderungen gestellt.

2014-06-11 Dr. Weert Canzler
(Wissenschaftszentrum Berlin)

Postfossile Mobilität zwischen Pfadabhängigkeit und Paradigmenwechsel

Die Energiewende umfasst neben der Stromerzeugung eigentlich auch die Wärmeversorgung und den Verkehr. Die nationalen und internationalen CO2-Reduktionsziele sind ohne den Übergang zu einer postfossilen Mobilität nicht zu schaffen

Eine vernetzte E-Mobilität ist jedoch mehr als die Substitution des Antriebes, sie bedeutet eine Selbstbeweglichkeit nach dem Privatauto. Zentral wird darin der Zugang zur Mobilität und nicht der Besitz eines Verkehrsmittels. Es fällt schon schwer, einen solchen Paradigmenwechsel überhaupt nur zu denken, zu sehr sind wir vom Leitbild des privaten Universalautos gefangen. Die Pfadabhängigkeit ist dabei nicht nur eine technische, sondern ebenso eine der Siedlungs- und Infrastruktur sowie der mentalen Repräsentation von Automobilität.

Eine Grundhypothese der sozialwissenschaftlichen Mobilitätsforschung lautet: "Das Auto im Kopf" bestimmt in der hochmotorisierten modernen Gesellschaft das Verkehrsverhalten und die Wahrnehmung von Raum. Die Frage ist, ob und gegebenenfalls wie eine postfossile Mobilität aus der Nische kommen und sich vom bisher übermächtigen und auf das Artefakt Automobil bezogenen Leitbild lösen kann.

2014-05-14 Henning Deters
(Universität Bremen)

Arenas and Bargaining Dynamics in EU Energy Efficiency Policy-Making (Vortrag ist auf deutsch)

The presented paper examines two far-ranging measures under the EU action plan for energy efficiency: The phase-out of incandescent lightbulbs and the 2009 fuel efficiency standards for passenger-cars. Against the backdrop of the EU's institutional propensity to deadlock, the paper asks how it became possible to adopt these rather ambitious measures in spite of fierce contestation.

It argues that the level of actual decision-making matters: While the breakthrough in negotiating the fuel-saving regulation was achieved only during bilateral Franco-German talks on the summit level, the incandescents phase-out was facilitated by expert decision-making in technical “comitology” committees.

Although fundamentally different in terms of the level of politicisation and situated on opposite ends of the decision hierarchy, both instances of decision-making outside the arenas of the formal “community method” were crucial in breaking stalemate. Potential opponents were kept at bay and the respective institutional environments facilitated agreement by means of diffuse reciprocity (fuel saving regulation) and depoliticization (incandescents ban).

2014-05-07
16:00 - 19:00
P1-05-306

 
 

 

 

 

Soziologische Erklärungen in der Techniksoziologie.
Eine Bestandsaufnahme

Das Modell Soziologischer Erklärung beansprucht, eine integrative Sozialtheorie zu sein. Im Rahmen der aktuellen Debatten der Techniksoziologie beleuchten die beiden zentralen Vertreter dieser Theorierichtung den ideengeschichtlichen Hintergrund  und den forschungsheuristischen Mehrwert von MSE und MFS. Dabei steht die Idee im Vordergrund, dass empirisch fundierbare Modelle gefragt sind, die über eine rein deskriptive Darstellung hinausgehen und Struktureffekte auf Basis individuellen Akteurshandelns erklären können. Am Fachgebiet Techniksoziologie wurde in den letzten Jahren daran gearbeitet, die handlungstheoretischen Überlegungen von Esser und Kroneberg mit computersimulativen Ansätzen zu kombinieren. Im Rahmen der Vorträge sollen die Potentiale des Modells Soziologischer Erklärung und des Modells der Frame-Selektion für eine technik-soziologische Forschung ausgelotet und Praxisbeispiele aufgezeigt werden.

Prof. Dr. Hartmut Esser
(Universität Mannheim)
Ideengeschichtlicher Hintergrund des Modells Soziologischer Erklärung (MSE)
Prof. Dr. Clemens Kroneberg
(Universität Köln)
Methodologie statt Ontologie. Zum Stand des Modells der Frame-Selektion (MFS)
Robin D. Fink / Fabian Adelt
(TU Dortmund)
Modellierung und Computersimulation auf Basis von MSE und MFS



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Kontakt

Techniksoziologie Sekretariat
Tel.: 0231 755-3436
Wirtschafts- und Industriesoziologie Sekretariat
Tel.: 0231 755-3718
Prof. Dr. N. N.
Professor/in
Tel.: 0231 755-8025